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“Tromba Hispanica” in den Medien

Bayerischer Rundfunk - BR Klassik Tafel-Confect vom 6.11.2011

Autor: Klaus Meyer

Caramba! Spanische Hoftrompetenmusik des 17. Jahrhunderts

 Mit Pauken und Trompeten ins alte Spanien des Siglo de Oro und Barock - dorthin führt eine CD des Barocktrompeten Ensembles Berlin unter der Leitung seines Gründers Johann Plietzsch. "Tromba Hispanica - Battallas y Canciones" ist das Album überschrieben, und es präsentiert eine stupende Klangpracht, tänzerischen Swing und vor allem bestechende Bläservirtuosität.

"Battallas y Canciones" sind musikalische Schlachtenbilder und Lieder. Zwischen martialisch auftrumpfend, festlich repräsentativ und charmant schmeichelnd bewegen sich auch die Ausdrucksdimensionen der Stücke, deren Besetzung vom "großen" Tutti aus Trompeten und Pauken bis zur solistischen Lauten- und Gitarrenpièce reicht. Sie stammen von Antonio de Cabezón, S. Aguilera de Heredia, Santiago de Murcia, Giovanni Girolamo Kapsberger, Gaspar Sanz, Heinrich Ignaz Franz Biber und anonymen Meistern, decken also einen Zeitraum ab, der sich von der Renaissance bis zum Barock erstreckt.

Buntes Panorama

Die Bläserstücke sind stark und differenziert besetzt: Vier bis sechs Barocktrompeten, flankiert von Pauken und Schlagzeug, Theorben, Barockgitarre und Truhenorgel. In diesem Instrumen-tarium spiegelt sich zugleich die Doppelgesichtigkeit der südspanischen Kultur zwischen Orient und Okzident: Trompeten und Orgel als Instrumente der Christen, die Lauten, Gitarren und diversen Perkussionsinstrumente als Repräsentanten der maurisch-arabischen beziehungsweise jüdischen Kultur. "Tromba Hispanica" (Die spanische Trompete) gibt ein buntes Panorama der Hochkultur der Trompetenkunst auf der Iberischen Halbinsel, von den Berliner Barocktrompetern kongenial umgesetzt - traumhaft sicher in der Intonation, kristallklar und hell im Klang, mitreißend und beeindruckend im beherzten Musizieren. Alle Achtung! Donnerwetter! Oder wie die Spanier zu sagen pflegen: "Caramba!"

Kulturradio vom rbb   CD der Woche 24.10. - 29.10.2011

Autor: Volker Michael

"Tromba Hispanica“ Battallas y Canciones

Mit dem Barocktrompeten Ensemble Berlin

Spanien hat musikalisch mehr zu bieten als Flamenco und Gitarrenfolklore. Vor vielen hundert Jahren - zu Zeiten der christ- lichen Wiedereroberung, der Reconquista - begegneten sich hier westliche und orientalische Musik in einer einzigartigen Symbiose. Diese besondere Prägung hat die iberische Halbinsel bis heute nicht verloren. Ein besonders spannendes Projekt, das die musikalische Vielfalt im andalusisch-maurischen Spanien in Erinnerung rufen will, hat das Barocktrompeten Ensemble Berlin unter seinem Leiter Johann Plietzsch entwickelt. Tromba Hispanica heißt es - und ein Programm mit west-östlicher Musik ist jetzt auf CD erschienen und bietet eine ganz spezielle Melange.

Geheimkult um die Musik

Trompeter waren früher Soldaten, Offiziere zumeist und galten nicht als Musiker. Sie mussten Schlachten begleiten und für Pomp und Pracht sorgen, wenn der Herrscher in Erscheinung trat. An allen christlichen Höfen, nicht nur in Spanien, zählten sie zu den hochdotierten Stars. Um ihre Musik trieben sie eine Art Geheimkult - sie durfte nicht notiert werden. So schrieb mancher Komponist die Melodien der Trompeter einfach für andere Instrumente auf, zum Beispiel für die Laute. Johann Plietzsch hat solche Stücke jetzt für die Barocktrompete wiederentdeckt.

Perfekte Abstimmung untereinander

In Spanien war die martialische Kraft der Trompetenmusik besonders gefragt. Standen hier die christlichen Herrscher doch im ständigen Kampf mit den Mauren. Die Bläser selbst wechselten von einem Hof zum anderen und verbreiteten ihren Stil durch ganz Europa. Bestechend ist, wie die sieben Mitglieder des Berliner Trompetenensembles jetzt auf ihrer CD zu einem gemeinsamen Zusammenklang finden. Jede einzelne Stimme ist darin eingeschmolzen - und dennoch bleibt der glasklare Charakter der alten Instrumente erhalten. Ein besonderes Wagnis sind Johann Plietzsch und seine Berliner Barocktrompeter außerdem eingegangen - sie haben in einigen Stücken improvisiert - allerdings ganz vorsichtig, sensibel und historisch informiert, in perfekter Abstimmung untereinander.

Wunderbar filigrane Klangwolke

Gleich aus mehreren Jahrhunderten stammen die Musikstücke, die Johann Plietzsch auf der CD versammelt hat - aus der spanischen Renaissance und dem dortigen Barock vor allem. Der böhmische Meister Heinrich Ignaz Franz Biber ist ebenfalls mit einer wunderbar vielfarbigen Sonate vertreten. Tromba Hispanica ist aus langjähriger Konzertpraxis erwachsen - deshalb ist für Abwechslung gesorgt: Das Bläserprogramm wird durch spanische und italienische Lauten- und Gitarrenmusik aufgelockert. Das tut den Ohren gut und schafft Kontraste. Einem akustischen Experiment gleicht es geradezu, dass das kleine zarte Ensemble aus zwei Theorben, also Basslauten, Gitarren und orientalischem Schlagzeug die klangmächtigen Blechbläser begleitet. Das Experiment ist aufgegangen - es entsteht eine nie gehörte, wunderbar filigrane Klangwolke.

Orientalische und westlichen Musikwelt auf Augenhöhe

Einen besonderen Charme entwickelt die CD Tromba Hispanica durch ihren brisanten aktuellen Gehalt. Im alten Spanien prallten ja Orient und Okzident aufeinander - musikalisch gab es damals viele Kontakte und Verschmelzungen. Johann Plietzsch und seine Musiker rufen das in Erinnerung und zeigen, dass eine Begegnung der orientalischen und der westlichen Musikwelt auf Augenhöhe möglich ist. Diese Begegnung setzt die CD dramaturgisch gelungen und sehr sensibel in Szene. Die Instrumente der Christen - Trompeten und Orgel - finden zusammen mit denen der Muslime und Juden des Orients, mit den Lauten, Gitarren und Trommeln.

Das klingt berückend schön und ist ein starkes - politisches - Statement.

Volker Michael, kulturradio