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Italien, das gelobte Land der Musik, das wie kein anderes die europäische Musikgeschichte beeinflusste, war im 16. Jahrhundert geteilt in eine
Vielzahl von kleinen und größeren Fürstentümern. Der Wille zur standesgemäßen Repräsentation und die Konkurrenz der einzelnen Machtzentren untereinander, brachte eine kulturelle und musikalische Vielfalt
hervor, die das restliche Europa in den nächsten Jahrhunderten geradezu überrollen sollte. Zu nennen wären u.a.die Hofhaltung der Päpste in Rom, die der Dogen in Venedig, ST. Petronio in Bologna, die Medici in
Florenz und der Hof der Gonzagas in Mantua. Diese Höfe unterhielten Musikensembles, die die besten Sänger und Instrumentalisten in sich vereinten. Die Hofkapellen dienten der Repräsentation des jeweiligen
Potentaten, hatten aber neben dieser profanen Funktion ebenso sakrale Aufgaben wie die musikalische Ausgestaltung der Gottesdienste. Viele der überlieferten Kompostionen sind dem profanen oder sakralen Bereich klar
zugeordnet. Dennoch gab es Überschneidungen in der Verwendung von Musikstücken und so taucht öfter der Suffix "Da chiesa e Camera" auf;
Stücke die also gleichermaßen für die Kirche und die "Kammer" (den weltlichen Bereich) verwendbar waren. Viele der Herscher verkörperten in ihrem Bereich die weltliche und geistliche Macht. So lag diese umfassende Einsatzmöglichkeit der Musik ganz im Interesse der Mächtigen.
Nicht italienische, sondern die unter starkem italienischen Einfluß entstandene Musik am Hof der Kaiser des Heiligen Römischen Reiches deutscher
Nation in Wien und am Hofe des Fürstbischofs Karl von Liechtenstein-Kastelkorn in Olmütz und Kremsier füllt unser heutiges Programm. Am Hof in Wien, an dem selbst die Kaiser - Leopold I. und Ferdinand III. -
kompositorisch tätig waren, lebten viele italienische Musiker, Sänger und Komponisten.
Zu nennen wären besonders Antonio Bertali, Allesandro Poglietti, Th. Albertini und Antonio Libertino. Diese Künstler beeinflußten nachhaltig auch den
Stil ihrer deutsch-sprachigen Kollegen. Die für die unser Programm ausgewählten Stücke sind überwiegend Bestandteil der umfangreichen Musikbibliothek des Schlosses von Kremsier (heute Kromeriz, Tschechische
Republik). Bis zur Verlegung des Bischofsitzes nach Olmütz im Jahre 1063 selbst Bischofsstadt, war Kremsier seitdem bis ins 19. Jahrhundert Residenz der Olmützer Fürstbischöfe. ( 1777 wurde Olmütz außerdem zum
Erzbistum erhoben.) Die zweite Hälfte des 17. Jahrhunderts war für die Musikpflege Kremsiers eine Zeit besonderer Blüte und Bedeutung. Besonders in den Jahren des Episkopates von Fürstbischof Karl von
Liechtenstein-Kastelkorn (1664 - 1695) wurden keine Kosten und Aufwendungen gescheut, um bedeutende Künstler zu verpflichten und Kirchen- und Instrumentalmusik auch durchaus opulenter Besetzung zu Aufführung zu
bringen. Neben den fest bestallten Musikern der Hofkapelle zu Kremsier, von denen Heinrich Ignaz Franz Biber (1644 - 1704) und Pavel Josef Vejvanovsky ( um 1640 - 1693 ) wohl die bedeutensten waren, komponierten
zahlreiche auswärtige Meister im Auftrag der Olmützer Bischöfe, analog zu den engen familiär- politischen Beziehungen sind rege musikalische Kontakte zwischen Olmütz/Kremsier und dem Kaiserhof in Wien nachweisbar.
Den Bedürfnissen des Ortes entsprechend, bilden Kirchenmusik sowie Orchester- und Kammermusik die Schwerpunkte der durch die Musikbibliothek dokumentierten künstlerischen Aktivitäten der Hofmusik von Kremsier. Die
Ensemblebesetzungen sind sowohl in der Anzahl der aufgebotenen Stimmen als auch in Reichtum der Instrumentalklangfarben und deren vielfältigsten Kombinationsmöglich- keiten ungewöhnlich reichhaltig.
In den Kompositionstechniken, mit denen der umfangreiche Apparat immer wieder bewältigt wird, erscheinen häufig Eigentümlichkeiten der späteren
klassischen Instrumentation vorweggenommen. Selbst Charakteristika der böhmisch-mährischen Volksmusik fanden Eingang in die Säle und Kammern der Residenz - sei es in der Verwendung von Folklore-Melodik und Harmonik
oder in der Integration von Volksmusikinstrumenten in die Klangkörper. Obwohl Heinrich Ignaz Franz Biber zweifellos der bedeutendste unter den in Kremsier angestellten Musikern war, sind wir über seinen Bildungsweg
und sein dortiges Wirken nur spärlich unterrichtet. 1644 im böhmischen Wartenberg geboren, kämen Dresden und Prag als Orte seiner künstlerischen Ausbildung in Betracht, möglicherweise war er auch in Wien Schüler von
Johann Heinrich Schmelzer. Sein Abschied aus dem
fürstbischöflichen Dienst 1670 erfolgte unter merkwürdigen Umständen, die auf kein gutes Verhältnis zu seinem Dienstvorgesetzten schließen lassen - er kehrte von einer Dienstreise nach Tirol nicht mehr zurück. Seine Lebensstellung fand Biber dann ab 1673 am fürsterzbischöflichen Hof von Salzburg, wo er 1684 schließlich zum Hofkapellmeister ernannt wurde.
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